Volker Weiß

Katechon

Zur Wiederkehr der politischen Theologie in der Gegenwart
Cover: Katechon
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026
ISBN 9783768198608
Broschiert, 128 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Die Ideologie hinter Peter Thiel, Donald Trump und Co.Vom Tech-Milliardär Peter Thiel bis hin zum russischen Ultranationalisten Alexander Dguin - neuerdings bemühen alle ein biblisches Motiv: den Katechon. Als geheimnisvolle Kraft kann er das Böse aufhalten, seine irdische Gestalt soll wahlweise Trump oder Putin sein. Über eine Figur der politischen Theologie, mit der alles begründet, aber nichts erklärt werden kann. Wer ist der "Katechon"? Seit einiger Zeit verkünden rechte und religiöse Fundamentalisten, dass eine höhere Kraft den "falschen Verheißungen" des "Antichristen" entgegentrete. Diese Verlockungen gaukeln als Werte einer demokratischen und aufgeklärten Gesellschaft den Menschen Sicherheit und Stabilität vor, während sie doch in Wahrheit nur Werke des Teufels sind. Mit dem Katechon als "Aufhalter" dieses Bösen wird nun eine theologische Figur in den Dienst genommen, um die Politik der extremen Rechten zu legitimieren. Der Essay geht den Spuren des "Katechon"-Motivs bis in die Schriften des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt nach.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.07.2026

Volker Weiß legt hier laut Rezensent Rudolf Walther einen klugen Essay über die neuere Karriere des Begriffs Katechon vor. Seinen Ursprung hat er in der Bibel, genauer gesagt im zweiten Apostelbrief, der Katechon wird dort als Aufhalter des Antichrists imaginiert. Weiß rekonstruiert, wie die Rede vom Katechon seit den 1930er Jahren von rechten Denkern aufgegriffen wird. Eine wichtiger Autor war dabei Carl Schmitt, der nach 1945 den Katechon gegen die gottlose liberale Weltordnung des Westens mobilisieren wollte. Heute berufen sich unter anderem Maximilian Krah, der Putin-Ideologe Alexander Dugin und Mitglieder der Trump-Regierung auf den Katechon. Weiß argumentiert in diesem Buch, dass der Katechon-Begriff im Sinne einer politischen Theologie instrumentalisiert wurde und wird, was unter anderem deshalb funktioniert, weil er "sowohl ein politisches Ziel als auch eine Entwicklung" bezeichnet. Dadurch gelingt es ihm, zentrale politische Begriffe wie Souveränität und Autorität systematisch zu vernebeln. Mit Weiß' sorgfältig erarbeiteter Studie kann man, lobt Walther, nun gut die diversen Wandlungen dieser von Anfang an ziemlich kruden ideologischen Figur nachvollziehen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.06.2026

Kenntnis- und mit Einschränkungen lehrreich ist dieses Buch, findet Rezensent Jens Hacke. Der Historiker Volker Weiß beschäftigt sich darin mit dem Katechon-Begriff, der ursprünglich dem zweiten Paulusbrief des Neuen Testaments entstammt und über die Jahrhunderte für allerlei Rätselraten gesorgt hat. Für aktuelle Debatten ist Carl Schmitts Aneignung des Katechon entscheidend: Der intellektuelle Urahn der Neuen Rechten unternahm, einigermaßen freihändig, den Versuch, die Idee eines "Aufhalters" des Antichrist - eben des Katechon - zu personalisieren und gegen liberale Ideen in Stellung zu bringen. Es geht jedenfalls um einzelne Individuen, die den Lauf der Welt beeinflussen sollen, gern in antidemokratischer Weise. Weiß zeigt auf, wie der putinistische Ideologe Alexander Dugin, Peter Thiel oder auch AfD-ler Maximilian Krah sich für dieses Konzept begeistern. Gut sichtbar wird dabei, meint Hacke, wie wenig hilfreich solche Versuche sind, Theologie zu politisieren. Wirklich neu sind Weiß' Ausführungen zum Katechon allerdings nicht, merkt er an. Dennoch hält der Rezensent das Buch für einen wichtigen Beitrag in der aktuellen Debatte um die Wiederkehr rechten Denkens in unserer Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.05.2026

Rezensentin Catherine Newmark bleibt skeptisch gegenüber Volker Weiß' Ansatz. Der Historiker und Experte für die Neue Rechte möchte darin der jüngst vermehrt von rechts in Anschlag gebrachten theologischen Figur des "Katechons" auf den Grund gehen. Das verlangt erstmal eine ideengeschichtliche Aufarbeitung: als widersprüchliche Figur, die das Böse in Form des Antichrists zwar aufhält, dadurch aber wiederum die rettende Ankunft des Messias verzögert, sei die Figur schon immer inkohärent gewesen. Das lege Weiß schlüssig dar. Und auch, wie die Figur zur Rechtfertigung säkularer Herrschaft eingesetzt wurde, z.B. bei Carl Schmitt, wird ihr vor diesem Hintergrund halbwegs nachvollziehbar. Aber um den Sprung dann etwa zu Twitter-Posts von Maximilian Krah nachzuvollziehen, der Trump als den Katechon bezeichnet, braucht es für die Kritikerin zu viele Schleifen - und selbst dann sei der Erkenntnisgewinn gering. Um rechtsradikale Politik besser zu verstehen, helfe dieses Buch unterm Strich leider wenig, schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.05.2026

Angeregt, aber auch kritisch bespricht Rezensent Mark Siemons Volker Weiß' Buch über einen Lieblingsbegriff der Neuen Rechten. Die Rede vom Katechon, dem griechischen Wort für das Aufhaltende, ist ursprünglich der Bibel entnommen, genauer gesagt dem zweiten Thessalonicherbrief, in der Gegenwart taucht das Wort unter anderem bei Peter Thiel und dem Putin-Propagandisten Alexander Dugin auf, auch einer der Stichwortgeber der Neuen Rechten, Carl Schmitt, verwendete es gern. Es geht diesen Autoren stets darum, das Katechon als etwas zu beschwören, was einer imaginierten liberalen Weltverschwörung Einhalt gebieten kann. Leider, kritisiert Siemons, beschränkt sich Weiß weitgehend darauf, die verschiedenen Stellen, an denen rechte Autoren sich auf Katechon beziehen, aufzuzählen sowie auf einer recht allgemeinen Ebene Verbindungen zwischen diesem Begriff und rechter Ideologie zu ziehen. Was das Katechon beziehungsweise überhaupt der Bezug auf politische Theologie dieser Ideologie tatsächlich hinzu fügt, wird dem Rezensenten aus der Lektüre nicht klar. Recht kleinteilig geht Siemons die einzelnen neueren Katechon-Verfechter durch und zeigt auf, dass Schmitt, Thiel, Dugin oder auch Martin Sellner unter dem Katechon durchaus Unterschiedliches verstehen - und dass sie sich in ihren Ausführungen allesamt weit von dem entfernen, was im ursprünglichen Bibelzitat angelegt ist. Eine interessante Denkfigur ist das Katechon jedenfalls auch für Siemons, nur leider hilft ihm Weiß' Buch nicht wirklich dabei, den Begriff sinnvoll zu entfalten.

Buch in der Debatte

9punkt 20.05.2026
Der "Katechon" ist ein Konzept aus der christlichen Eschatologie, erklärt der Historiker Volker Weiss im Welt-Interview. Was genau er ist, lässt sich nicht so leicht bestimmen, so Weiss, vor allem "eine Kraft des Aufhaltens. Und da beginnt schon die Debatte. Ist es eigentlich eine Figur oder ist es eine Institution?" Der Begriff spielt in der Ideologie der amerikanischen Tech-Elite eine große Rolle: So gilt beispielsweise Trump als der "Katechon", der den Antichristen aufhalten wird.  Unser Resümee

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