Aus dem Englischen von Jan-Frederik Bandel. Neben Charles Bukowski und William S. Burroughs, Jim Morrison und Bob Dylan, Art Spiegelman und Robert Crumb war vor allem Hunter S. Thompson derjenige amerikanische Autor der Beat- und Post-Beat Generation, an den sich damals die deutsche Verlagsszene nicht rantraute und der hierzulande erst durch seine Veröffentlichung bei Zweitausendeins bekannt wurde. In dieser Tradition legt Zweitausendeins nun Thompsons Biografie als Graphic Novel vor. Der Fokus des Buchs liegt nicht auf den späten Jahren, sondern auf den viel wichtigeren sechziger und siebziger Jahren, in denen Thompsons großen Reportagen entstanden. In monochromen Bildern entfalten die Autoren das Leben des Mannes, den "Die Zeit" einmal als "Rache Amerikas an sich selbst" bezeichnete und der heute viel zu oft nur noch als eine Karikatur wahrgenommen wird: als menschenhassender, dauerzugedröhnter Freak mit einer Schreibmaschine. Thompson aber war mehr als sein Alter Ego Raoul Duke, das er zusammen mit dem Gonzo-Journalismus erfand, er war ein unerbittlicher Moralist, der in die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft schaute. Ergänzt wird die zitatreiche Biografie durch ein Vorwort von Thompsons langjährigem Lektor Alan Rinzler.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2012
Dramaturgisch wie grafisch außerordentlich gut gelungen findet Martin Zähringer die gezeichnete Biografie des amerikanischen Kult-Reporters Hunter S. Thompson. Mit seinem distanzlosen, subjektiven Stil mischte Thompson in den sechziger und siebziger Jahren den amerikanischen Journalismus auf und gewann eine große Menge an Anhängern und Nachahmern. Texter Will Bingley verschränkt nun "in raffiniertem Parallelschnitt" biografische Elemente Thompsons mit Teilen seines journalistischen Werks, so der Rezensent, was der Zeichner Anthony Hope-Smith wiederum mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen "von überzeugender Originalität" illustriert.
Nicht ganz glücklich scheint Frank Schäfer mit Will Bingleys und Anthony Hope-Smiths "grafischer Biografie" von Hunter S. Thompson. Der Comic hat seines Erachtens einen hohen Anspruch, will Zeitporträt, Schriftstellerbiografie und Werkinterpretation zugleich sein, kann diesen Anspruch aber nicht überzeugend einlösen. Die Folge: der Leser bekomme "von allem etwas zu wenig". Zwar stimmt Schäfer den Autoren zu, wenn sie Thompson als "Phänotyp seiner Epoche" darstellen. Aber ihr Versuch, dessen Leben in den zeithistorischen Kontext zu stellen, wirkt auf ihn wie "Kulissenschieberei".
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