Steuern sind für die allermeisten ein Buch mit sieben Siegeln. Dieser mangelnde Durchblick der Vielen ist allerdings die Grundlage für enorme Profite der Wenigen - zulasten der Allgemeinheit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Daher darf das Thema Steuern nicht denen überlassen bleiben, die vorgeben, unser aller Interessen zu vertreten, die aber vor allem ihre eigenen Privilegien sichern und ausbauen wollen - so das Plädoyer von Norbert Walter-Borjans.
Wer dieses Buch des ehemaligen NRW-Finanzministers gelesen hat, wird verstehen- warum Steuertricks und Steuerhinterziehung unsere Zukunft gefährden- warum eine gerechtere Steuerpolitik dennoch immer wieder im Sande verläuft- welchen Anteil daran die Legenden der Steuervermeidungslobby haben- wie wichtig es ist, dass sich alle angemessen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligen.
Moritz Küpper lernt vom SPD-Politiker Norbert Walter-Borjans, dass Steuern auch ihr Positives haben. Das findet der Rezensent bemerkenswert und verdienstvoll, wenn auch ein bisschen missionarisch. Auch durch die Erklärungen zu den diffizilen Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäften hat der Kritiker sich eher gemüht. Aber wenn Walter-Borjans davon erzählt, wie er sich als Finanzminister von NRW die Steuer-CDs beschaffte, wie er mit Fahndern zusammenarbeitete und den Ärger der Schweizer auf sich zog, wird der Rezensent hellhörig. Das erscheint ihm packend und bisher ungelesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2018
Rezensent Reiner Burger macht klar: Norbert Walter-Borjans legt kein Buch für Steuertrickser vor, sondern ein Plädoyer für Steuergerechtigkeit und eine Art Staatsbürgerkunde in Sachen Steuerpolitik. Burger lernt was dabei, etwa, wie bedeutsam Steuern für den starken Staat sind, wie gerecht das deutsche Steuersystem in Wahrheit ist und was die SPD beim Thema Steuern falsch macht. Dass sich der Autor stilistisch zwischen Schulbuch, linkem Pamphlet zum Thema Umverteilung und Autobiografie eines früheren Finanzministers nicht recht entscheiden kann, findet er verzeihlich.
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