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22.08.2026. Im Tagesspiegel erzählt der Musikjournalist Moritz Weber, dass Chopins Briefe an Männer keinen Zweifel an dessen Homosexualität lassen. In der SZ erklärt die britische Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg, worauf bei Insektengärten zu achten ist. Die nachtkritik feiert bei der Eröffnung der Ruhrtriennale Ivo Van Hoves Destillat aus 400 David-Bowie-Songs, die FAZ ärgert sich indes über diesen "Singaufstand der Fruchtzwerge". Die taz erkennt in Faraz Shariats Justizdrama "Staatsschutz" die Folgen einer rechtsextremen Regierung.
"Staatsschutz" von Faraz Shariat Die Protagonistin in Faraz Shariats Justizdrama "Staatsschutz" ist eine junge Staatsanwältin mit südkoreanischem Migrationshintergrund. Sie wird Opfer eines rechtsextremen Angriffs und nimmt danach die Ermittlungen selber und gegen viele Widerstände in die Hand, schreibt Barbara Schweizerhof in der taz. Ihre eigene Staatsanwaltschaft versichert ihr anfangs nämlich, dass sie den Fall schnell aufklären wollen. "Aber dann reagiert die Justiz ebenso träge. Ermittlungen verlaufen im Sand und produzieren schließlich nur einen einzigen Verdächtigen, der den Tathergang aber ganz anders schildert." Hier zeige sich eine von Shariats Stärken: "Wie er die Quasi-Machtübernahme einer rechts-autoritären Gesinnung in den eigentlich zur Neutralität verpflichteten Institutionen wie der Justiz beschreibt. Es ist ein 'Was wäre, wenn …?', das einem den Atem nimmt, weil es so nebenbei passiert. Und man sich die Augen reibt und fragt, ob diese Zustände nicht vielleicht schon in einigen Regionen der Bundesrepublik Realität sind."
In der FAZ sieht Bert Rebhandl den konkreten Fall im Film vor dem Hintergrund ähnlicher Fälle in Deutschland, die von der Justiz immer nur sehr behäbig aufgeklärt wurden. "Im Hintergrund des Skandals, der sich allmählich abzeichnet, sind konkrete Vorfälle der jüngeren Vergangenheit deutlich erkennbar. Die vielen Ungeheuerlichkeiten im NSU-Verfahren sind die offensichtlichste Parallele. Shariat bezieht sich aber vor allem auf eine Reihe von rechtsradikalen Anschlägen in Neukölln in den Zehnerjahren, die unzureichend verfolgt wurden." Auf critic.debespricht Nino Klinger den Film.
Die Filmbranche wird immer mehr von der KI überrollt: Produktionskosten werden deutlich gesenkt, viele Jobs in der Industrie stehen vor dem Wegfall, konstatiert der Filmproduzent Martin Moszkowicz in der SZ. "Wie tief die KI in die Produktionsstruktur selbst eingreift, zeigt sich bei den Vertical-Serien fürs Smartphone. Während in Deutschland viele noch überlegen, wie man überhaupt in dieses Geschäft einsteigt, ist in China bereits mehr als ein Drittel der erfolgreichsten dieser Formate maschinell erzeugt - vor einem Jahr waren es sieben Prozent. Youtube beansprucht in den USA inzwischen mehr Fernsehzeit als Netflix - der größte Konkurrent Hollywoods produziert selbst keine Filme, er lässt produzieren, von Milliarden Nutzern, demnächst von deren Maschinen." Doch es gehe nicht darum, sich jetzt zwischen "Widerstand und Unterwerfung" zu entscheiden. "Sondern um die Aufgabe der Aneignung. Wir müssen eigene Daten- und Publikumsbeziehungen aufbauen, statt nur Inhalte zu liefern. Wir müssen unsere Kataloge lizenzieren, zu unseren Bedingungen, statt zuzusehen, wie sie ungefragt verdaut werden. Und wir sollten die Maschine früh in den kreativen Prozess holen, als Sparringspartner, nicht als Taktgeber."
Weiteres: In der FAZ schaut Timas Deppert nochmal den Film "Gridlock'd - Voll drauf!", in dem Hip-Hop-Legende Tupac Shakur in seiner letzten Rolle als drogenabhäniger Krimineller "Spoon", der clean werden will, überzeugt. Im FAS-Interview mit Mariam Schaghaghi spricht Regisseur Cyril Aris über seinen Film "A Sad and Beautiful World", der sich mit der libanesischen Geschichte und Lebensrealität auseinandersetzt.
Besprochen werden Jane Schienbruns Horrorfilm "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" (SZ und NZZ), die Komödie "One Night Only" von Will Gluck (Welt) und Annekatrin Hendels Dokumentarfilm "Hiddensee" (FAZ).
Die britische Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg ist berühmt für ihre "Pollinator Pathmaker" genannten Gärten, für die sie mit einem Mathematiker einen Algorithmus erarbeitete, der insektenfreundliche Gärten schafft. Im SZ-Gespräch mit Martin Wittmann erklärt sie, worauf dabei zu achten ist - etwa mit Blick auf Bienen: "Sie kann etwa Rot nicht sehen, aber Ultraviolett. Eine Blume, die für uns gelb aussieht, kann für eine Biene rosa sein. Bienen sehen eine Wiese nicht so, wie wir sie sehen. Ihre Flimmerfusionsschwelle liegt höher, das heißt, was für uns wie Bewegung aussieht, wird von Bienen als einzelne Bilder wahrgenommen. Sie orientieren sich außerdem anhand polarisierten Lichts. Sie können die elektrischen Felder von Blumen wahrnehmen: Wenn eine Blume ihren Nektar aufgebraucht hat und sich regeneriert, verändert sich ihr elektrisches Feld, und die Biene bemerkt das. Sie riecht Duftspuren, die der Wind durch die Landschaft trägt. Bestimmte Arten können sich die Orte jeder Blume merken, die sie an einem Tag besucht haben."
Weitere Artikel: In der SZ erkennt Tanja Rest, wie wenig Tomas Saraceno, der im Münchner Haus der Kunst einen Teil der Ausstellung "Verwobene Welten" für Hunde hat öffnen lassen, über Hunde weiß.
In der Welt porträtiert Marcus Woeller den Architekten Gustav Düsing, der den Auftrag erhalten hat, das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zu erweitern. Woeller erfährt: "Ein großer Teil soll unterirdisch liegen. Im Entwurf fallen wieder schlanke weiße Stützen, große Fensterfronten und halb offene Bereiche auf. Die flach geneigten Dächer sollen nicht nur begrünt, sondern Teil des Parks auf dem Schillerhügel werden. Manche wollen darin die Seiten eines geöffneten Buchs erkennen."
Weitere Artikel: Ebenfalls in der Welt begrüßt heute auch Marcus Woeller, dass Jürgen Habermas' Villa nun unter Denkmalschutz steht.
Ingeborg Bachmanns "Drei Wege zum See", im 1972 veröffentlichten Erzählband "Simultan" erschienen, liest Sigrid Weigel in der FAZ als Bachmanns Selbstanalyse ihrer Beziehungen zu Max Frisch und Paul Celan. In der Geschichte blickt die erfolgreiche Fotografin Elisabeth auf zwei ihrer Beziehungen zurück. "Die Chiffre des trunkenen Schiffes in 'Drei Wege zum See' verweist deutlich auf Paul Celan, sodass die Erzählung Elisabeths Erinnerung an ihre 'einzige große Liebe' und ihre Trauer über den Tod Trottas mit Bachmanns Trauer um den Tod des früheren Geliebten engführt." Die an Max Frisch angelehnte Figur Manes lernt Elisabeth "ziemlich genau jenem Abend des 3. Juli 1958 in Paris" kennen, "an dem Ingeborg Bachmann Max Frisch kennengelernt hat - genau einen Tag nachdem das letzte Treffen mit Paul Celan stattgefunden hatte. Es war ein Abend, an dem sie aus dem Verlust des erst kürzlich wiedergewonnenen Geliebten einem anderen Mann buchstäblich in die Arme gelaufen war. Nur dass das damalige vernunftgeleitete Ende der Liebesbeziehung in der Erzählung als endgültiger Verlust des Geliebten erscheint, als ein dem Tod geschuldeter, unumkehrbarer Verlust, verfasst im Jahr nach Celans Freitod."
Im NZZ-Interview mit Birgit Schmid spricht die JugendbuchautorinJana Frey über ihre Leserschaft, die sich derzeit mit einer Vielzahl an Problemen gegenüber sieht. Jugendliche würden in frühen Jahren schon Dick-Pics bekommen, Pornos schauen oder wenden sich mit ihren Problemen Sprachmodellen dazu. Darüber hinaus lesen sie dann auch nicht mehr: "Ich frage die Jugendlichen immer, was für Bücher sie lesen, und nach ihren Lieblingsautoren. Einmal sagte mir ein Mädchen, sie hasse Bücher. Und als ich nachhakte, ob sie wenigstens Comics oder Mangas lese, antwortete sie: 'Ich lese mehr so Straßenschilder oder das, was über Geschäften steht.' Sie war im Gymnasium, neunte Klasse. Ich war sprachlos."
Weiteres: In der NZZ reist der SchriftstellerAlex Capus tausendzweihundert Kilometer durch die Schweiz. Für die FAZ porträtiert Axel Weidemann die SchriftstellerinAnja Kampmann, die mit ihrem Buch "Die Wut ist ein heller Stern" auf sich aufmerksam machte. Luciana Ferrando ist Buchhändlerin und schreibt in der taz über die verschiedenen Arten von Buchkäufern: die Ernsten, die Stammkunden und die "Insta-Tiktok-Crew". In der FAS spricht Annabelle Hirsch mit der Dichterin Laura Vazquez. Thomas Comerink schreibt in der FAZ über den niederländischen Schriftsteller A. F. Th. van der Heijden, der aktuell ohne deutschen Verlag dasteht.
Besprochen werden unter anderem "Der Krieg ist anderswo" von Asne Seierstad (Welt), Ruth-Maria Thomas' "Die zweitgrößte Liebe" (SZ), "Kanzlerkino" von Mirko Bonné (taz), Isabel Allendes autobiographischen Band "Unsere Geschichten" (FAS), "Der Unsichtbare" von Michael Steinberger (NZZ) und Catherine Guérards "Renata wasweißich" (taz). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologie schreibt Zeno Bampi über August von Platens "Gedichte. Ausgabe von 1834.":
Szene aus "Rebel Rebel". Foto: Foto: Jan Versweyveld Durch rund 400 David-Bowie-Songs hat sich der belgische Regisseur Ivo Van Hove und Ruhrtriennalen-Intendant für sein Eröffnungsstück "Rebel Rebel" gehört und Nachtkritiker Max Florian Kühlem schaut gern über die Story um zwei gewalttätige Jugendgangs hinweg, denn die Musik, die Van Hove destilliert hat, ist sensationell: "Zum Beispiel bei 'Hallo Spaceboy', wo alle Elemente für sich genommen schon grandios sind: Das Arrangement der Live-Band um den musikalischen Leiter Henry Hey, Ari Notartomasos ausdrucksstarker Gesang, die ausnahmsweise mal eher zurückgenommene Tanz-Choreographie, die Videobilder einer Iris in Nahaufnahme, die entfernt genug an George Orwell erinnern." Ganz anders tönt Manuel Brug in der Welt, der sich gar nicht ausmalen möchte, wie teuer dieser "Singaufstand der Fruchtzwerge" gewesen sein muss. Vor allem Sidi Larbi Cherkaouis Choreografie langweilt ihn: "Was sich stolz als 'Musiktheatererkundung' tituliert und nobilitiert, erweist sich als Möchtegern-Avantgarde-Ringelpiez ohne Anfassen, aseptisch, öde und fad." Und auch für die FAZ-Kritikerin Wiebke Küster ist der Abend nicht mehr als eine "lahme Ente".
Bestellen Sie bei eichendorff21!Es bedeutet für schwarze Kinder durchaus etwas anderes in ein Schwimmbad in einer weißen Mehrheitsgesellschaft zu gehen, sagt im Tagesspiegel-Gespräch die Publizistin Alice Hasters, aktuelles Buch "Anti-Opfer - warum wir Verletzlichkeit verachten". Von der Volksbühnenaktion hält sie dennoch nicht viel: "Man kann Schwarze Kinder nicht in einen Safer Space schicken, der zugleich eine Bühne ist. Das Volksbad wurde von Anfang an kontrovers diskutiert und wurde auch von rechten Medien stark beobachtet. Dass es eine Kampagne geben würde, war nicht komplett überraschend. … Man braucht ein Sicherheitskonzept und muss früher reagieren, wenn rechte Medien eine Kampagne beginnen. Institutionen wie Eoto oder die Volksbühne müssen vorher erklären, was ein Safer Space ist, warum es solche Räume gibt und was das Antidiskriminierungsgesetz bedeutet."
Weitere Artikel: Torben Ins hat sich für die taz in Sachsen-Anhalt bei Theaterleuten umgehört, was ein möglicher Wahlsieg der AfD für die dortigen Theater bedeuten könnte. Vor allem um die Finanzierung würde es schlecht stehen: "Die Theaterverträge, in denen Kommunen, Landkreise und das Land die Finanzierung der Häuser festzurren, laufen 2028 aus und müssen spätestens ab Dezember neu verhandelt werden. Die Theater sitzen dabei noch nicht einmal mit am Tisch. Der Kürzungsdruck ist enorm, und eine AfD, welche die Kulturpolitik zum ideologischen Schlachtfeld erklärt, hätte auf einmal enorme Hebel in der Hand. Ungarn lässt grüßen." Franziska Krisch huldigt auf den "Bilder-und-Zeiten"-Seiten der FAZ der niederländischen Tänzerin Mata Hari, die dieses Jahr 150 Jahre alt geworden wäre.
Besprochen werden außerdem Christoph Marthalers Abschiedsgala "Eine letzte Sekunde" beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel in Hamburg (nachtkritik) und "Frei_Spiel X - Das große Ganze" - eine Koproduktion der Jungen Deutschen Philharmonie und She She Pop mit Stücken von Grzyna Bacewicz, Diana Syrse und Darius Milhaud im Frankfurter Mousonturm (FR, nachtkritik).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Musikjournalist Moritz Weber hat sich nochmal die Korrespondenzen Frederic Chopins mit Männern aus dessen Leben angeschaut. In seinem Buch "Chopins Männer" legt er seine Erkenntnis dar: Chopin liebte Männer. Im Tagesspiegel-Interview mit Josia Jordan spricht Weber darüber, warum das erst jetzt ans Licht kommt. "Ich wollte meinen Beitrag leisten, indem ich diese nicht genutzten oder teils auch unbekannten Quellen einfließen lasse, für die es früher lange keinen Platz gegeben hat, weil es keine Worte dafür und keine breitere gesellschaftliche Akzeptanz für diese Art der Forschung gegeben hätte. Aber ebenso klar ist nun auch, dass die Liebeserklärungen, die Chopin selbst geschrieben hat, ausschließlich an Männer gerichtet waren. Die Briefe, die an Frauen versendet wurden, hatten eine funktionale Rolle - respektvoll, aber kein Vergleich zu den teils auch expliziten Texten, die er Männern zukommen ließ. Und mit Belegen von diesen Männern wie 'Chopin ist die Blume und der Duft meines Herzens' lässt sich auch klar rekonstruieren, dass diese Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhten."
Was wäre wenn niemand mehr im Konzertsaal hustet? Das scheint heute durch spezielle Hustenbonbons möglich, doch Thomas Lindemann findet in der FAS, so ginge ein Stück Kultur verloren. "Ohne den bizarren Hustenzwang vor, nach und während großer Aufführungen wäre vielleicht Yoko Onos 'Cough Piece' von 1961 nie entstanden: Die Künstlerin hustete in ein Mikrofon, spielte das Geräusch dann in Endlosschleife im New Yorker MoMA ab. "Laut einer Studie des Universität Hannover, die sich mit dem 'Konzerthusten' auch eine 'Kritik mit dem Zwerchfell': bei komplexen Werken werde mehr gehustet. 'Der Siegeszug des 'Kulturbonbons' dürfte trotzdem unvermeidlich sein. Die Idee ist einfach zu gut. Die Berliner Philharmoniker und die Staatsoper unter den Linden wollen es als erste anbieten - schon in der jetzt beginnenden Saison. Das enthaltene Süßholz soll für die hustenstillende Wirkung verantwortlich sein."
Weiteres: In der SZ besucht Andrian Kreye den Jazz-Keyboarder Matthias Bublath in New York und spricht mit ihm über dessen Band "Dream Band", mit der er eine neue Platte aufgenommen hat. In der FAZ erinnert Jan Brachmann an die Sängerin Ileana Cotrubas. Stefan Schickhaus zeigt sich in der FR ergriffen vom Gesang des mexikanischen Sängers Rolando Villazon. Pablo Heras-Casado und Philipp von Steinaecker spielen Anton Bruckners 3 Sinfonie d-Moll und Gustav Mahlers 5. Sinfonie cis-Moll mit historischen Instrumenten ein, staunt Elmar Krekeler in der Welt.
Besprochen werden: Stefan Michalzik (FR) lauscht währenddessen beim "Jazz im Palmengarten" Martin Lejeune und seinem Projekt "Mangelsdorff Revisited", das sich mit der Musik des Posaunisten Albert Mangelsdorff beschäftigt. Nach 81 Jahren wird das "La sainte face" der Pianistin und Komponistin Yvonne Loriod beim Musikfest Berlin uraufgeführt, schreibt Jan Brachmann in der FAZ. Beim großen Europa Open Air spielten die Ensembles des HR und Judith von Sternburg stört es in der FR nicht, dass beim Open Air zeitweise mehr Handybildschirme als Bühnenausschnitt zu sehen gewesen war.
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